25.10.16
D Report zu Ronen Reichman "Autorität, Tradition, Argumentation bei der Formierung des rabbinischen Rechtsdiskurses"

In den letzten Jahren ist eine verstärkte Aufmerksamkeit an der oder vielmehr an den vielfältigen jüdischen Rechtsdiskursen zu verzeichnen. Es wird dabei häufig davon ausgegangen, dass die jüdische Rechtstradition sowohl aufgrund einiger der religiösen Motive, die man vielleicht zum theologischen Kernbestand des Judentums rechnen darf, als auch als Resultat der spezifischen religionssoziologischen Bedingungen, unter denen sie sich entwikkelt und weiterentwickelt hat, auch für andere Kontexte – etwa rechtswissenschaftliche, philosophische, politische und literaturwissenschaftliche – einen hoch fruchtbaren Untersuchungsgegenstand abgibt.

E Report on Ronen Reichman's "Authority, tradition and argumentation in the formation of rabbinical legal discourse"

In recent years we have seen increasing attention being paid to Jewish legal discourse, or rather to Jewish legal discourses in all their variety. It is often assumed that the Jewish legal tradition, partly because of some of the religious motifs that we can perhaps justifiably regard as forming the theological core of Judaism, and partly also as a result of the specific religio‐sociological conditions under which it has developed and redeveloped, will also provide a highly fruitful subject for investigation for other contexts – such as legal science, philosophy, politics and literature.

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25.10.16
D Report zu Ronen Reichman "Autorität, Tradition, Argumentation bei der Formierung des rabbinischen Rechtsdiskurses"

Der Kommentar versucht das jüdische Gesetz in einer Perspektive auf Entwicklungen des modernen „westlichen“ Rechts zu beobachten, das sich mit der Erschütterung der Unterstellung der Dichotomie von Gesetz und Gesetzesanwendung unter dem Paradigma des klassischen Gesetzes konfrontiert sieht.

E Report on Ronen Reichman's "Authority, tradition and argumentation in the formation of rabbinical legal discourse"

The commentary attempts to observe Jewish law from a perspective directed towards developments in modern “western” law, which under the paradigm of classical law has always assumed that there is a dichotomy between the law and its application, and which must now confront the possibility that this assumption is mistaken.

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25.10.16
D Autorität, Tradition, Argumentation bei der Formierung des rabbinischen Rechtsdiskurses

Bezüglich der Frage nach dem Sinn des Lebens wird im Talmud erzählt, dass die Anhänger der zwei Gründungsschulen der rabbinischen Bewegung, der Schule Shammai und der Schule Hillel, zweieinhalb Jahre darüber gestritten haben, bis sie zu einem Ergebnis kamen. Der Geltungsanspruch auf Wahrhaftigkeit lässt sich schwer thematisieren. Deshalb bricht an dieser Stelle die Kontroverse ab. Wir stellen fest: Bei diesem dialektischen Diskussionsverlauf handelt es sich nicht um einen Diskurs im engen Sinn. Es ist wiederum ein Machtspiel im Gewand eines Diskurses, eben ein Machtdiskurs.

E Authority, tradition and argumentation in the formation of rabbinical legal discourse

Concerning the question about the meaning of life we are told in the Talmud that the adherents of the two founding schools of the rabbinic movement, the school of Shammai and the school of Hillel, disputed for two and a half years over it, until they came to a conclusion. The validity claim to truthfulness is a difficult subject for discussion. This is why the controversy breaks off at this point. We have established, that this dialectical discussion process is not a discourse in the narrow sense, but is in turn a power game disguised as a discourse, i.e. a “power discourse”.

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01.10.15
D Dichotomie in der Naturrechtskonzeption von Ciceros Schift De legibus?

In Ciceros staatsphilosophischen Schriften ist die Annahme, das Recht sei für den Menschen unverfügbar in der Natur begründet, von grundlegender Bedeutung. Umso erstaunlicher ist es, dass in der Frage, wie dieses Recht nach Ciceros Auffassung in der Natur repräsentiert bzw. in sich strukturiert sei, bisher kein Konsens in der Forschung erzielt wurde.

E Dichotomy in the conception of natural law in Cicero's De legibus?

In Cicero’s writings on political philosophy, the assumption that law is grounded in nature in a way that is inaccessible to man is of fundamental importance. It is all the more surprising, then, that with regard to the question of how Cicero sees this law as being represented in nature, and how he sees it as being structured in itself, no consensus has yet been reached among scholars.

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03.06.15
D Report zu Melanie Möller "Beispiel und Ausnahme. Überlegungen zu Ciceros Rechtshermeneutik"

Normative Ordnungen brauchen sowohl Ausnahmen wie Beispiele: Religion (und die Theologie), das Recht (und die Jurisprudenz), die Erziehung (und die Pädagogik). Schliesslich braucht und kennt sie die Rhetorik, die vormals auch die einzige Wissenschaft aller Ausnahmen und Beispielen war. Historisch und systematisch sind Beispiele und Ausnahmen in der Rhetorik gewissermassen zu Hause; von dort aus fanden sie Eingang in andere normative Ordnungen und Wissenschaften. Das sind die Fakten. Zur Diskussion steht jedoch: Wie werden Ausnahmen und Beispiele gebraucht?

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03.06.15
D Beispiel und Ausnahme. Überlegungen zu Ciceros Rechtshermeneutik

In den unterschiedlichsten Zusammenhängen scheinen die Begriffe exemplum und exceptio eine diffuse Einheit zu bilden. Besonders eindrücklich hat ihre gegenseitige Interferenz zuletzt Giorgio Agamben in seiner Diskursgeschichte des homo sacer herausgearbeitet. Der Blick auf dessen römische Wurzeln legt ein dialektisch konzipiertes Phänomen frei, das die verschwommene Grenze zwischen einem Innen und einem Aussen überschreitet und die Determinanten überkommener Referenzverfahren zu verkehren scheint: In Rede steht das Beziehungsgeflecht von Besonderem und Allgemeinem, von Einzelnem und Gemeinschaft, von Exklusion und Inklusion, von Deduktion und Induktion.

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19.03.15
D Report zu Susanne Gödde "Recht ohne Gesetz?"

Die Frage nach „Recht ohne Gesetz?“ ist die Frage nach dem Recht als Verfahren: die Frage danach, wie es zu verstehen ist (und wie es verstanden worden ist), dass das Recht – wie Susanne Gödde im Anschluss an Michael Gagarin und im Blick auf Hesiod schreibt – „eher als ‚Verfahren‘ (‚procedural law‘) und nicht als ‚substantiell‘(‚substantial law‘) aufgefasst“ wird.

E Report on Susanne Gödde's "Justice without law?"

The question of „Justice without law?“ is the question of the law as procedure: the question of how we are to understand the fact (and how that fact has been understood in the past) that the law – as Susanne Gödde writes, following Michael Gagarin’s thesis and with a glance at Hesiod – is „conceived … as being a ‘process’ (‘procedural law‘), rather than as ‘substantial’ (‘substantial law‘)“.

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19.03.15
D Recht ohne Gesetz?

Szenarien der Rechtsprechung bei Homer, Hesiod und Aischylos

Das griechische Götterpantheon, das im Kern aus den zwölf „Olympischen Göttern“ besteht, die eine Generation von älteren Göttern, die Titanen, abgelöst haben, kennt keine Gottheit, die explizit und ausschließlich als Gottheit der Gerechtigkeit oder des Rechts angesehen wurde.

E Justice without law?

Scenarios of jurisdiction in Homer, Hesiod and Aeschylus

The Greek pantheon, essentially consisting of the twelve „Olympian gods“ who replaced a generation of older gods (the Titans), does not include any divinity that was explicitly and exclusively regarded as a god of justice or of law.

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19.03.15
D Gesetz – Rhetorik – Gewalt: Normative Ordnungen in der Antike

Beiträge zu neueren Entwicklungen im antiken Recht und in der Rechtstheorie

Eine Öffnung für im weitesten Sinne kulturwissenschaftliche Fragestellungen – für Fragen zur Rolle von Symbolen, Medien, Rhetorik, Ästhetik etc. – hat seit den 1990er Jahren viele geisteswissenschaftliche Fächer und in neuerer Zeit auch die Altphilologie und ihre Beschäftigung mit dem antiken Recht erfasst. So jedenfalls könnte ein vorläufiges methodologisches Fazit anlässlich einiger neuerer Publikationen zum antiken griechischen und römischen Recht lauten.

E Law – rhetoric – force: Normative systems in the Ancient World

Contributions to recent developments in ancient law and legal theory

From the 1990s onwards, an openness towards questions that are in the broadest sense concerned with cultural studies – questions concerning the role of symbols, media, rhetoric, aesthetics etc. – has spread over many liberal arts subjects and recently also ancient philology and its dealings with ancient law. At least, this is what a preliminary methodological summary of some more recent publications on the subject of ancient Greek and Roman law might indicate.

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D
Report zu Ronen Reichman "Autorität, Tradition, Argumentation bei der Formierung des rabbinischen Rechtsdiskurses"

In den letzten Jahren ist eine verstärkte Aufmerksamkeit an der oder vielmehr an den vielfältigen jüdischen Rechtsdiskursen zu verzeichnen. Es wird dabei häufig davon ausgegangen, dass die jüdische Rechtstradition sowohl aufgrund einiger der religiösen Motive, die man vielleicht zum theologischen Kernbestand des Judentums rechnen darf, als auch als Resultat der spezifischen religionssoziologischen Bedingungen, unter denen sie sich entwikkelt und weiterentwickelt hat, auch für andere Kontexte – etwa rechtswissenschaftliche, philosophische, politische und literaturwissenschaftliche – einen hoch fruchtbaren Untersuchungsgegenstand abgibt.

E
Report on Ronen Reichman's "Authority, tradition and argumentation in the formation of rabbinical legal discourse"

In recent years we have seen increasing attention being paid to Jewish legal discourse, or rather to Jewish legal discourses in all their variety. It is often assumed that the Jewish legal tradition, partly because of some of the religious motifs that we can perhaps justifiably regard as forming the theological core of Judaism, and partly also as a result of the specific religio‐sociological conditions under which it has developed and redeveloped, will also provide a highly fruitful subject for investigation for other contexts – such as legal science, philosophy, politics and literature.

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Report zu Ronen Reichman "Autorität, Tradition, Argumentation bei der Formierung des rabbinischen Rechtsdiskurses"

Der Kommentar versucht das jüdische Gesetz in einer Perspektive auf Entwicklungen des modernen „westlichen“ Rechts zu beobachten, das sich mit der Erschütterung der Unterstellung der Dichotomie von Gesetz und Gesetzesanwendung unter dem Paradigma des klassischen Gesetzes konfrontiert sieht.

E
Report on Ronen Reichman's "Authority, tradition and argumentation in the formation of rabbinical legal discourse"

The commentary attempts to observe Jewish law from a perspective directed towards developments in modern “western” law, which under the paradigm of classical law has always assumed that there is a dichotomy between the law and its application, and which must now confront the possibility that this assumption is mistaken.

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Autorität, Tradition, Argumentation bei der Formierung des rabbinischen Rechtsdiskurses

Bezüglich der Frage nach dem Sinn des Lebens wird im Talmud erzählt, dass die Anhänger der zwei Gründungsschulen der rabbinischen Bewegung, der Schule Shammai und der Schule Hillel, zweieinhalb Jahre darüber gestritten haben, bis sie zu einem Ergebnis kamen. Der Geltungsanspruch auf Wahrhaftigkeit lässt sich schwer thematisieren. Deshalb bricht an dieser Stelle die Kontroverse ab. Wir stellen fest: Bei diesem dialektischen Diskussionsverlauf handelt es sich nicht um einen Diskurs im engen Sinn. Es ist wiederum ein Machtspiel im Gewand eines Diskurses, eben ein Machtdiskurs.

E
Authority, tradition and argumentation in the formation of rabbinical legal discourse

Concerning the question about the meaning of life we are told in the Talmud that the adherents of the two founding schools of the rabbinic movement, the school of Shammai and the school of Hillel, disputed for two and a half years over it, until they came to a conclusion. The validity claim to truthfulness is a difficult subject for discussion. This is why the controversy breaks off at this point. We have established, that this dialectical discussion process is not a discourse in the narrow sense, but is in turn a power game disguised as a discourse, i.e. a “power discourse”.

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Dichotomie in der Naturrechtskonzeption von Ciceros Schift De legibus?

In Ciceros staatsphilosophischen Schriften ist die Annahme, das Recht sei für den Menschen unverfügbar in der Natur begründet, von grundlegender Bedeutung. Umso erstaunlicher ist es, dass in der Frage, wie dieses Recht nach Ciceros Auffassung in der Natur repräsentiert bzw. in sich strukturiert sei, bisher kein Konsens in der Forschung erzielt wurde.

E
Dichotomy in the conception of natural law in Cicero's De legibus?

In Cicero’s writings on political philosophy, the assumption that law is grounded in nature in a way that is inaccessible to man is of fundamental importance. It is all the more surprising, then, that with regard to the question of how Cicero sees this law as being represented in nature, and how he sees it as being structured in itself, no consensus has yet been reached among scholars.

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Report zu Melanie Möller "Beispiel und Ausnahme. Überlegungen zu Ciceros Rechtshermeneutik"

Normative Ordnungen brauchen sowohl Ausnahmen wie Beispiele: Religion (und die Theologie), das Recht (und die Jurisprudenz), die Erziehung (und die Pädagogik). Schliesslich braucht und kennt sie die Rhetorik, die vormals auch die einzige Wissenschaft aller Ausnahmen und Beispielen war. Historisch und systematisch sind Beispiele und Ausnahmen in der Rhetorik gewissermassen zu Hause; von dort aus fanden sie Eingang in andere normative Ordnungen und Wissenschaften. Das sind die Fakten. Zur Diskussion steht jedoch: Wie werden Ausnahmen und Beispiele gebraucht?

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Beispiel und Ausnahme. Überlegungen zu Ciceros Rechtshermeneutik

In den unterschiedlichsten Zusammenhängen scheinen die Begriffe exemplum und exceptio eine diffuse Einheit zu bilden. Besonders eindrücklich hat ihre gegenseitige Interferenz zuletzt Giorgio Agamben in seiner Diskursgeschichte des homo sacer herausgearbeitet. Der Blick auf dessen römische Wurzeln legt ein dialektisch konzipiertes Phänomen frei, das die verschwommene Grenze zwischen einem Innen und einem Aussen überschreitet und die Determinanten überkommener Referenzverfahren zu verkehren scheint: In Rede steht das Beziehungsgeflecht von Besonderem und Allgemeinem, von Einzelnem und Gemeinschaft, von Exklusion und Inklusion, von Deduktion und Induktion.

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Report zu Susanne Gödde "Recht ohne Gesetz?"

Die Frage nach „Recht ohne Gesetz?“ ist die Frage nach dem Recht als Verfahren: die Frage danach, wie es zu verstehen ist (und wie es verstanden worden ist), dass das Recht – wie Susanne Gödde im Anschluss an Michael Gagarin und im Blick auf Hesiod schreibt – „eher als ‚Verfahren‘ (‚procedural law‘) und nicht als ‚substantiell‘(‚substantial law‘) aufgefasst“ wird.

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Report on Susanne Gödde's "Justice without law?"

The question of „Justice without law?“ is the question of the law as procedure: the question of how we are to understand the fact (and how that fact has been understood in the past) that the law – as Susanne Gödde writes, following Michael Gagarin’s thesis and with a glance at Hesiod – is „conceived … as being a ‘process’ (‘procedural law‘), rather than as ‘substantial’ (‘substantial law‘)“.

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Recht ohne Gesetz?

Szenarien der Rechtsprechung bei Homer, Hesiod und Aischylos

Das griechische Götterpantheon, das im Kern aus den zwölf „Olympischen Göttern“ besteht, die eine Generation von älteren Göttern, die Titanen, abgelöst haben, kennt keine Gottheit, die explizit und ausschließlich als Gottheit der Gerechtigkeit oder des Rechts angesehen wurde.

E
Justice without law?

Scenarios of jurisdiction in Homer, Hesiod and Aeschylus

The Greek pantheon, essentially consisting of the twelve „Olympian gods“ who replaced a generation of older gods (the Titans), does not include any divinity that was explicitly and exclusively regarded as a god of justice or of law.

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Gesetz – Rhetorik – Gewalt: Normative Ordnungen in der Antike

Beiträge zu neueren Entwicklungen im antiken Recht und in der Rechtstheorie

Eine Öffnung für im weitesten Sinne kulturwissenschaftliche Fragestellungen – für Fragen zur Rolle von Symbolen, Medien, Rhetorik, Ästhetik etc. – hat seit den 1990er Jahren viele geisteswissenschaftliche Fächer und in neuerer Zeit auch die Altphilologie und ihre Beschäftigung mit dem antiken Recht erfasst. So jedenfalls könnte ein vorläufiges methodologisches Fazit anlässlich einiger neuerer Publikationen zum antiken griechischen und römischen Recht lauten.

E
Law – rhetoric – force: Normative systems in the Ancient World

Contributions to recent developments in ancient law and legal theory

From the 1990s onwards, an openness towards questions that are in the broadest sense concerned with cultural studies – questions concerning the role of symbols, media, rhetoric, aesthetics etc. – has spread over many liberal arts subjects and recently also ancient philology and its dealings with ancient law. At least, this is what a preliminary methodological summary of some more recent publications on the subject of ancient Greek and Roman law might indicate.

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